Philosophisches Café 18.9.18

Welche Form der Sterbehilfe sollte legalisiert werden?

Am Dienstag, dem 18. September, war es wieder einmal so weit. Die Arbeitsgemeinschaft Philosophie der Oberstufe unter Betreuung von Herrn Nies lud zum dritten „Philosophischen Café“ im SV-Raum ein. Thema zu diesem Anlass war die Frage „Welche Form der Sterbehilfe sollte legalisiert werden?“ 

Kurz vor Beginn hatten sich Schüler sowie eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen eingefunden. Nach einer kurzen Einführung eröffnete eine Schülerin die Sitzung mit einem Expertenreferat, bei welchem grundlegende Begriffe geklärt („Was bedeutet aktive/passive Sterbehilfe/Beihilfe zum Suizid, Patientenverfügung, etc.?“) und erste Positionen bezogen wurden.

Die Debatte nahm im Laufe der Zeit immer mehr an Fahrt auf. So kam es zu Gedankenexperimenten („Zöge ich obige Punkte in Betracht aus Gründen einer Altersdemenz, eines Unfalls, einer Depression,..?„), zu Gesprächen ob eher Befürworter oder Gegner als egoistisch zu betrachten seien, ob wir uns nehmen dürften, was wir uns nicht selbst gegeben hatten. Auch ging es lebhaft um die Rolle des sozialen Umfeldes bei solch einer schweren, da endgültigen Entscheidung und um die Rolle des Abschiednehmens als wesentlicher Phase des Sterbeprozesses. Selbst wenn es ein Tabu sei, blieb im Fall eines Unfalls mit permanenter Behinderungsfolge die Pflege- als auch die Kostenfrage (sofern der Patient ohne Maschinen nicht weiterleben kann) nicht unerwähnt, als auch die Aufarbeitung der deutschen Geschichte, insofern sich Nazis angemaßt hatten über „lebens(un)wertes Leben“ zu entscheiden.

Es wurden Analogien konstruiert zwischen Sterbehilfe und Abtreibung. Juristisch kamen die Debattierenden nicht nur auf die Lage in Deutschland zu sprechen, sondern auch in Nachbarländern. Einer fernöstlich (buddhistisch? daoistischen?) geprägten Philosophie der Nichteinmischung wurde der Wille, aktiv Einfluss nehmen zu können gegenübergestellt. Eine deutliche Mehrheit der Beteiligten schien zumindest passive Sterbehilfe zu befürworten.

In einem Moment höchster Spannung wo es um die Überschreitung von passiv zu aktiv ging, kam es sogar zu einer schauspielerischen Einlage von Herrn Nies. Damit war zumindest auf emotionaler Ebene geklärt, dass der Unterschied zwischen einem Arzt, der eine Überdosis verabreicht und einem Arzt, der eine Überdosis in die Nähe eines Kandidaten bringt, jene Person sie aber selbst einnehmen müsste, wesentlich sei.

Während sicherlich nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die gleichen Auffassungen im Anschluss an die gut zweistündige Diskussion gewonnen hatten, ging doch ein jeder/eine jede physisch gestärkt durch hervorragende Cookies (Dank an Frau Nies) und mental gekräftigt durch das Abwägen diverser Gedankengänge nach Hause, in Vorfreude auf ein Wiedersehen im selben Kontext. Von meiner Stelle ein großer Dank an die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe.

von Kai Kaufmann

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